Lebzeitige Vermögensübertragung

Es kann sinnvoll sein, schon vor dem Erbfall das Vermögen auf denjenigen zu übertragen, der mit dem Erbfall ohnehin Erbe sein soll.

Dies kann im Einzelfall mehr Kontrolle und mehr Freiheit bieten. Die vorweggenommene Erbfolge kann im Einzelfall weitere Vorteile bringen:

  • Sie können frei entscheiden, wem, wann, wie viel aus Ihrem Vermögen zufließen soll. Selbstverständlich können Sie Ihren nicht erbberechtigten Lebenspartner, Freund oder Lieblingsverein beschenken.
  • Sie können für die wirtschaftliche Nutzbarkeit einer Immobilie sorgen.
    Befinden sich Immobilien im Nachlassvermögen, wird die Erbengemeinschaft Eigentümer und als solche im Grundbuch eingetragen. Dies kann die wirtschaftliche Nutzbarkeit erheblich beeinträchtigen.
    Dies kann durch eine Schenkung umgangen werden, so dass nur der Begünstigte Eigentümer wird.
  • Sie können ungewollte Ergebnisse von Erbfolgen verhindern.
    Es hängt vom Zufall ab, ob Sie, oder Ihr Ehegatte zuerst stirbt. Dies kann jedoch zur Folge haben, dass Kinder aus anderen Ehen erben, was die Erbquote Ihrer leiblichen Kinder beeinträchtigt. Durch rechtzeitige Schenkungen können Sie selbst in die Hand nehmen, wie die Aufteilung Ihres Vermögens stattfinden soll.
  • Sie können Ihre Altersvorsorge individuell gestalten.
    Sie können vertraglich Ihre Pflege, oder die Aufwendungen für Heimkosten durch Regelungen mit Ihren Abkömmlingen regeln.

Was Sie jedoch bedenken sollten

Verlässt Vermögen Ihr Eigentum, haben Sie keinen Einfluss mehr darüber. Ändern sich die Umstände, tragen Sie das Risiko sich verrechnet zu haben. Deshalb empfehle ich sich selbst immer abzusichern. Bei Immobilien, die als Zuhause dienen, kann dies die Einräumung eines Rechts zur lebenslangen Nutzung bedeuten.

Schenkungen können Einfluss auf die Höhe des Pflichtteils, oder die Erbquote haben. Dies muss jedoch zum Zeitpunkt der Schenkung angeordnet werden.

Auf den Pflichtteilsanspruch findet eine Anrechnung und auf die Erbquote einen Ausgleichung statt. Der Begünstigte muss sich den Wert der Zuwendung anrechnen lassen und so können anderen pflichtteilsberechtigten Ausgleichsansprüche zustehen. Außerdem kann sich die Erbquote verändern.

Dies geschieht in folgender Weise:

  1. Der Wert der Zuwendung wird ermittelt: Dabei ist von Bedeutung, wann die Zuwendung vorgenommen wurde. Es findet eine Abschichtung von 10% des Wertes der Zuwendung pro Jahr statt.
  2. Der Wert der Zuwendung wird dem Wert des Nachlasses addiert.
  3. Die Pflichtteile, sowie Erbquoten werden entsprechend dem errechneten fiktiven Nachlasswert berechnet.

Achtung: Selbst bei vorliegen eines Testaments oder Erbvertrags können diese Regelungen, auch ungewollt, Anwendung finden.

Für einen vollen Überblick über die rechtlichen Folgen eines Testaments empfehle ich deshalb eine umfassende Beratung durch den Notar. Außerdem sollten Schenkungen erst nach rechtlichem Rat durchgeführt werden.

Wichtiger Hinweis!

Diese Informationen können nur einen ersten Einblick in die komplizierte und weitergehende Materie darstellen. Die Informationen auf meiner Website sind insbesondere keine Beratung oder Vertretung im Einzelfall, für die ich eine Haftung übernehme.

(C) 2016, RA&Notar Peter Pietsch, Berlin.